aufs traurige eingestellt

jetzt sieht es aus, als gäbe es nur tränen in dieser welt… aber wir lachen auch, ja, nur wir verstehen zu lache, weil wir es so selten tun, weil wir kummer und hunger wegzulachen haben, weil wir, immer aufs traurige eingestellt, den raschen blick fürs komische haben. ich habe nur nichts davon erzählen können, weil mein junges leben in die betterste zeit europas fiel. damals haben wir wirklich nichts zu lachen gehabt. aber wenn wir nur irgendwie gelegenheit dazu hatten, taten wir’s. und ich hielt mit, ich konnte micht – trotz allem – freuen. auch mein leben war nicht so trübselig, wie es scheinen mag. ich erzähle nur, weil sie allein wichtig waren, die schweren und bitteren dinge.

der segen von freiheit und kreativität unterm kapital

der mensch unserer zeit ist zur freiheit verdammt, weil sie die ökonomisch produktivste existenzweise ist. mehr denn je erscheint sie ihm als last. tatsächlich muss er, bis zur totalen erschöpfung von ihr gebrauch machen. das gefühl, immer mehr alleine zu stehen und für ein ganzes leben selbst verantwortlich zu sein, wird vielfach als erdrückend wahrgenommen. die menschen stehen unter permanentem druck, aus eigener verantwortung heraus handeln und gestalten zu müssen. in den unternehmen werden ihnen ziele gesetzt. die art und weise, diese zu erreichen, stellt man ihnen frei. aus dem nichts heraus, ohne anhaltspunkte und hilfestellung, müssen lösungsstrategien erarbeitet werden. kreativität heißt das schlüsselwort, das man den verzweifelten an den kopf wirft: „versuchen sie doch, kreativ zu sein.“ managementberater bieten seminare für kreativtechniken an. kreativität kann man lernen, sagen sie. die teilnehmer verlassen die lehreinheiten genauso ratlos und verzweifelt, wie sie es davor waren.

in die realität wirklich einzugreifen

theorie, die keine beziehung zu irgend möglicher praxis enthält – und das gilt übringens auch für kunst, mag diese beziehung noch so vermittelt, noch so indirekt und noch so verborgen sein, aber sie muß da sein –, wird entweder wirklich zu einem leeren und selbstgefälligen und gleichgültigen spiel, oder, noch schlimmer, sie wird zu einem element der bloßen bildung, also zu einem toten wissensstoff, der für uns als lebendige geister und lebendig handelnde menschen völlig gleichgültig ist. umgekehrt ist es so, daß praxis … die im namen ihrer übermacht über die theorie sich nun einfach selbstständig macht und den gedanken von sich wegscheucht, herabsinkt zur betriebsamkeit. eine solche praxis verharrt innerhalb des gegebenen; sie führt zu solchen erscheinungen wie etwa den organisierfreudigen menschen, die glauben, damit, daß man irgend etwas organisiert, irgendwelche praktischen kundgebungen veranstaltet, wäre schon etwas wesentliches getan, ohne daß man dabei in die reflexion aufnimmt, ob denn un tatsächlich das, was man so organisiert, überhaupt nur die möglichkeit hat, in die realität wirklich einzugreifen.

vorwärts

vorwärts sagte der morgendliche regenbogen
vorwärts zu den kellerfenstern unserer jugend
wir sind zerborsten
und was blau war ist blau geblieben

in erinnerung an die kleinen zwiebeln
die du zu den chrysanthemen gabst
sag der dame guten tag

vorher schlag deinen schädel ein
oder den deines nächsten nachbarn
so daß wir beide
in den kommenden ferien den orient-express nehmen